Der Online-Diskurs ist nichts für mich.

Manchmal gebe ich dem Drang nach, mich öffentlich über Dinge zu äußern, die über Musik, Games und Unterhaltung hinausgehen. Wenn dann aber die ersten Kommentare dazu eintrudeln, bereue ich es auch gleich wieder. Das hat aber nicht unbedingt mit der Qualität der Reaktionen zu tun, sondern mehr mit dem Aufwand, den Online-Diskussionen mit sich bringen.

Rund um die Uhr abgelenkt

Ich interessiere mich sehr dafür, wie Leute ticken und was Leute denken, also beschäftige ich mich auch mit jedem Kommentar, den ich auf meinen Veröffentlichungen bekomme. Zustimmende Reaktionen sind natürlich relativ angenehm, weil sie kaum Aufwand bedeuten. Schnell ein Like abgeben und ein paar Dankesworte und fertig.

Die kritischeren Antworten hingegen sind ein ganz anderes Kaliber. Zuerst heißt es rauszufinden, ob es dummes Getrolle ist, oder ob mehr dahinter steckt. Das erfordert schonmal einen gewissen Aufwand. Troll- und offensichtlich idiotische Kommentare versuche ich unkommentiert zu ignorieren, aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass sie mir egal sind. Aber gehen wir davon aus, dass ein Kommentar vernünftig, aber herausfordernd war und ich mich auf eine Diskussion einlasse. Dann wird es anstrengend.

Das Thema beschäftigt mich unentwegt, ich grüble darüber nach, recherchiere im Internet, stelle Rückfragen und ehe ich mich versehe, hat mir ein einziger Kommentar Stunden an Aufmerksamkeit gekostet. Bei mehreren Kommentaren multipliziert sich der Aufwand entsprechend. Postet man Content auf verschiedene Plattformen parallel, wird der Online-Diskurs zur 24/7 Aufgabe und frisst mentale Ressourcen, die ich eigentlich woanders besser investieren könnte.

Raus.

Es gibt natürlich Menschen, die lieben das. Ich gehöre nicht mehr dazu. Früher, als Twitter noch Twitter hieß, war ich selbst rund um die Uhr in irgendwelche Diskussionen verstrickt, die, nachträglich betrachtet, mein Leben aber kaum bereichert haben. Hat man es nicht mit höchstvernünftigen Personen zu tun, sind Online-Diskussionen meistens verschwendete Lebenszeit. Dieselbe Diskussion von Angesicht zu Angesicht zu führen, hat eine komplett andere Qualität.

Nach weit über 40 Jahren auf der Welt und gut 25 Jahren im Internet, will ich inzwischen aber in erster Linie meine Ruhe haben. Für ein gutes Gespräch im Real Life bin ich natürlich sehr gerne zu haben. Aber von Unterhaltungen im Internet außerhalb von (Gruppen)chats, Discord oder einschlägigen Foren (ja, die gibt es vereinzelt noch) bin ich endgültig raus.

Was bleibt?

Auf Facebook bin ich sowieso nur mehr, um Seiten und Events zu verwalten und mit ein paar wenigen Leuten Kontakt zu halten. Kurznachrichtendienste wie Mastodon und Bluesky verwende ich, außer zur Promo meiner Projekte, so gut wie gar nicht mehr. Tiktok habe ich von Anfang an verweigert. Instagram ist eigentlich der einzige Dienst, den ich richtig gerne verwende. Stories und gelegentlich Reels von Events zu posten, macht mir einfach Spaß. Genauso wie Twitch, wo ich jeden Donnerstag live streame. YouTube hingegen wird immer anstrengender und mein Content läuft dort immer schlechter.

Die „schöne, neue Online-Welt“ hat mich also zu großen Teilen verloren. Ich werde bis auf Weiteres meine Accounts aber behalten, jedoch auf den Meisten meine Aktivität zurückschrauben, insofern ich das nicht bereits getan habe.

Content Auswirkungen

Alles, was über Musik, Games und Medien hinausgeht, wird auf den so genannten Sozialen Medien nicht mehr geben. Hier auf der HumePage behalte ich mir aber das Recht vor, ab und zu auch gesellschaftliche oder politische Beiträge zu veröffentlichen. Die Kommentarfunktion ist hier sowieso deaktiviert. Will man mir etwas mitteilen, kann man das gern via Email oder Discord machen.

Generell denke ich darüber nach, die Kommentare auch auf YouTube und Instagram zu deaktivieren. Die gesteigerte Lebensqualität durch komplette Vermeidung von müßigen und zeitintensiven Onlinediskussionen wiegt den Verlust von potenziellen positiven und motivierenden Kommentaren deutlich auf.

Privates von harmloser Natur wird es immer wieder auf Facebook und Insta zu sehen geben. Damit zumindest ein bisschen was vom „guten Alten“ Social Media erhalten bleibt.

Fazit

Das Internet ist kaputt und Social Media halte ich sowieso für eine gesellschaftliche Totgeburt. Weniger online ist mehr. Ich habe keine Energie mehr, am Online-Diskurs teilzunehmen. Gute, seltenere Gespräche im Real Life sind müßigen Online-Diskussionen zu bevorzugen. Aber sowas von.

Ich bin zu alt und zu müde für diesen ganzen Blödsinn.

 

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit,

Euer humaldo

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